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Da kriegt man/frau gleich gute Laune, wenn einer mit einem kleinen Wedelchen versucht einen Riesenhaufen Papiermüll zu beseitigen- jawohl! Raus mit dem Geschichtsmüll, kommunistische Manifeste braucht keiner auf Papier, republic-Programme anscheinend auch nicht… Aber wenn die politische und gesellschaftliche Vergangenheit eines Landes wie China bearbeitet wird, darf das sein. Vier Tänzer entdecken ihren wunden Punkt oder ist das Individuum im Kommunismus möglich: The left cheek.
Die Linke symbolisiert aus politischen Gründen die wichtigste und empfindlichste Seite in China. Die linke Backe darf hier wohl als ein Symbol für das Individuum gesehen werden – eine bloße Stelle im Gesicht, das man nicht verlieren darf. Sonne, Haus, Wind und Person: das sind die ersten vier Schriftzeichen des Kalligraphen, der den Abend begleitet, und sobald das Vierte auftaucht, muss er schreien. Jener, der entsetzt die „Person“ ausruft, oder das entsprechende Schriftzeichen, scheint ein Individuum gesehen zu haben – die linke Backe des Kommunismus? Sofort gliedert er sich ein, es folgt Leibesertüchtigung auf Befehl und im Takt. Propagandabildchen von Mao blitzen im Hintergrund auf. In der Bühnenmitte haben drei Frauen in schwarzen Kapuzenanzügen inzwischen entdeckt, dass man den wunden Punkt berühren kann, dass die Vorstellung vom Schmerz schlimmer ist, als der Schmerz selbst. Aber so ganz scheint ihnen nicht klar zu sein, ob sie sich darüber freuen oder sie davor erschrecken sollen. Sobald der wehe Fleck Individuum berührt wird, gehen sie doch wieder in Verteidigungsstellung und vollführen Kampfkunstposen gegen nicht vorhandene Gegner. Zumindest gegen keine sichtbaren, denn wer sagt, dass die Geister der Vergangenheit zu sehen sind. Im Hintergrund taucht Mao auf, riesig, winkend aus einem Jeep, ein paar kleine Menschlein um ihn, das Bild ist auf den Kopf gestellt. Kurz weh tut es dann doch, wenn die jungen Frauen sich mit roten, blutbeschmierten Backen winden und krümmen, aber wir steuern auf ein Happy End zu, schließlich ist es die junge Generation aus dem Land mit eben jener roten Geschichte, die uns kritisch vorführt, wie es nicht geht. Was schon geht: dem live mit seinen Instrumenten und dem Computer agierenden Musiker zuzusehen, der, immer mit einem Auge auf den TänzerInnen, dem Abend Rhythmus und Seele verleiht. Das anfangs etwas nervös wirkende Team wird im Verlauf des Abends gelöster, so dass schließlich sogar das Lachen der Tänzerinnen zum mitlächeln animiert – gewonnen. Den Schmerz der empfindlichsten Stelle wegzulachen ist doch eine schöne Lehre für einen Abend über Emanzipation der jungen Generation von ihrem elterlichen System.
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