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Nach Kant sind Personen Lebewesen, die nach vernünftigen Prinzipien denken können und aus dieser Fähigkeit heraus ihre Würde erhalten. Menschen, die eine gewisse Freiheit der Entscheidung, Fähigkeit zum Diskurs und Verantwortlichkeit für ihr Handeln haben. Verbunden mit dieser Subjektivität des Einzelnen als Person sind (Menschen)Rechte und Pflichten.
So gesehen sind die Subjekte in The Left Cheek, der neuesten Produktion von Zuhe Niao, keine Personen. Unheimlich und geisterhaft erscheinen sie in den schwarzen Kutten, nachdem sie ihre Individualität abgelegt haben. Gemeinsam wird ausgekehrt und für Ordnung gesorgt, körperliche Ertüchtigung und Disziplin geübt und der Außenfeind bekämpft. Dabei brodelt es im Inneren. Jeder potentieller Dissident und Denunziant zugleich. Misstrauen und Angst beherrschen das scheinbare Miteinander und essen die Seelen der Einzelnen auf. Wer schwach ist, sich windet und stöhnt, wird zum Opfer einer Gesellschaft, die nach unten tritt und nach oben buckelt.
Zuhe Niao rütteln unerschrocken an den Wurzeln des kommunistischen China, arbeiten unverblümt mit maoistischen Symbolen und entblößen kollektivistische Werte als Nicht-Werte, die sowohl Individuum als auch Kollektiv zerstören.
„Ein Regime der extremen Linken baut gewöhnlich Angst- und Feindbilder auf, um daraus Macht und öffentliche Unterstützung zu gewinnen“, steht im Statement (man möchte fast sagen: im antikommunistischen Manifest) von Zhang Xian (dem Kopf der KünstlerInnengruppe) zu The Left Cheek geschrieben. (Anmerkung: Diese Strategie ist in allen antidemokratisch-diktatorischen Systemen quer durch das politische Rechts-Links-Spektrum zu Hause.) Inhaltlich und formal eine sehr gelungene Arbeit, die ausspricht, was nicht gesagt werden soll.
Tongue’s Memory of Home, die ältere Produktion von Zuhe Niao, ist genauso politisch in ihrem Inhalt, aber zum Teil weniger überzeugend in der Umsetzung. Thema ist der Verlust der Sprache durch die kollektive Gleichschaltung. Essen, Schlafen, Scheißen der Lebensinhalt – Schmatzen, Husten, Furzen die lautliche Manifestation dieser sprach- und sinnentleerten Welt. Ein Rätsel bleibt der Picnic-Individualist in Calvin-Klein-Shorts und Flip Flops. Nichtsdestotrotz sehenswert.
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