sommerszene blog


Lebende Puppen, lebende Bilder – Padmini Chetturs „Paper Doll“
Juli 3, 2007, 1:40
Gespeichert unter: writers

Ein Schaben, wie unregelmäßiger, schwerer Atem. Ein Knattern, wie von den Rotoren eines Helikopters, der zur Landung ansetzt. Ein grelles Pfeifen, das zu fallen scheint und doch nie an Höhe verliert. Ein Wummern, das lauter wird, bedrohlich. Ein sanftes Plätschern wie von Wasser im Bachbett. Ein metallisches Summen, Halbton um Halbton höher geschraubt und doch ewig gleich.

Die Musik von Maarten Visser schafft eine wunderbar eindringliche Klanglandschaft, die die formstrengen, hochästhetischen Bewegungsabfolgen von Padmini Chetturs „Paper Doll“ umspült. Klangraum und Bildersprache bedingen sich gegenseitig und verschmelzen zu einer Masse, die sich oft unmerklich im ersten Augenblick, träge und doch leicht und stetig bewegt. Nur scheinbar gleichförmig und ident sind die fragilen Paper Dolls, die zueinander in Beziehung treten durch Schaffen von Nähe und Distanz, sich halten und loslassen und damit Raum und Zwischenräume erschließen. Die Langsamkeit, das bedächtige Verharren in Positionen und Schieflagen zueinander, bestimmen das Stück.

Narrative Elemente bleiben spärlich gesät und vage, wenn etwa eine der TänzerInnen still zittert zuerst, schließlich umkippt und einknickt in ihren Versuchen, sich wieder hochzurappeln. Scheitern und Stärke, Zerbrechlichkeit und Zusammenhalt, Individuum und Gruppe finden sich als Themen in der gemäldehaften, malerischen Formenspache wieder. Mit Paper Doll hat Padmini Chettur wunderschön schlichte und dennoch vor Spannung knisternde tableaux vivants auf die Bühne gezaubert. Auf Pushed (zu sehen heute und morgen bei der sommerszene) darf man gespannt sein.


Noch keine Kommentare bis jetzt
Kommentieren



Kommentieren
Zeilen- und Absatzumbrüche automatisch, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt, HTML-Tags zulässig: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>